Kristin Jankowski: Der Biss der Medien

Posted on September 15, 2012 by



Da waren sie also wieder: Die Bilder mit den Maennern mit den Baerten, die wuetend amerikanische Flaggen verbrennen und westliche Botschaften stuermen. Und das auch noch am 11. September und an den darauffolgenden Tagen. Diese Geschichten machten es in windeseile in die deutsche Berichterstattung.

Und ich fragte mich erneut, wer fuer den Hass, fuer die Hetze verantwortlich ist, wer dafuer verantwortlich ist, dass Vorurteile und Missverstaendnisse verbreitet werden. Die Antwort war schnell klar fuer mich: Es sind die auch die Medien, die wie hungrige Hunde einfach zubeissen. Ganz egal, wen sie damit verletzten. So schrieb der Tagesspiegel am 14.September einen Artikel, der bereits in dem ersten Absatz bewies, dass ich nicht unrecht habe. “Es schien so, als haette es den Arabischen Fruehling nie gegeben”, hiess es.  Ich musste diesen Satz mehrmals lesen, um sicherzugehen, dass er  fuer mich wirklich gar keinen Sinn macht.

Und dann: “ Die friedlichen Revolutionen in Tunesien und Aegypten hatten die Welt begeistert und das Image der Araber und Muslime fast ueber Nacht verwandelt.” Die Revolutionen waren nicht friedlich und sie haben sicherlich auch nicht stattgefunden, um die Welt zu begeistern. Und ich frage mich auch, von welchem Image hier gesprochen wird. Was fuer ein Image hatten die Araber und die Muslime vor der Revolution ? Welches hatten sie danach ? Und welches haben sie heute ? Und vor allem: Wer bastelt an dem Image ?

Es folgte der Teil, der mir fast den Atem nahm: “Diese jungen Demonstranten, diese Blogger, diese Familien, die fuer Wuerde und Freiheit demonstierten, waren doch eigentlich wie wir. Und nun das: Bilder eines wilden, religoes aufgestachelten Mobs, der Botschaften der USA anzuendet. Ist und bleibt der Araber eben doch irrational, dem Westen feindlich gesinnt und gewalttaetig?”

Nur einige Tage zuvor, es war der 10. September, entdeckte ich einen Artikel auf Spiegel.de. Die Ueberschrift:” Salafisten-Reisewelle nach Ägypten”.  Der Salafismus ist eine sehr konservative Stroemung des Islams, der sich auf seine alten Ideen bezieht.  Auch hier war es der erste Absatz, der Verwunderung in mir hervorrief: “Allein von Januar bis August 2012 sind 23 Salafisten von Deutschland nach Aegypten gereist. Das berichtet der neue Verfassungsschutzpraesident Hans-Georg Maaßen. Das sei “jetzt schon eine Verdopplung der Zahl des gesamten Jahres 2011”, sagte er dem “Tagesspiegel”. Außerdem saessen schaetzungsweise 30 weitere, die nach Aegypten wollten, “auf gepackten Koffern”.

Aegypten ist ein Land, in dem der meiste Teil der Bevoelkerung dem Islam folgt.

Warum ist es so wichtig fuer einen Deutschen darueber informiert zu werden, wieviele Salafisten nach Aegypten reisen ?  Weiter hiess es: “Wir befürchten, dass Aegypten aufgrund der starken islamistischen Kräfte dort zur Drehscheibe für Salafismus und Terrorismus werden könnte”, sagte Maaßen, der seit einem Monat im Amt ist, mit Blick auf den Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001. Das Land am Nil werde “mehr und mehr zum Reiseziel für Dschihadisten”.

Deshalb verwandelt sich Aegypten also in ein Land des Heiligen Krieges. Gut zu wissen.

Manchmal stelle ich mir die Frage, wie es denn waere, wenn sich ein Mitarbeiter der aegyptischen Staatssicherheit zu der Situation in Deutschland auessern wurde. Nachdem die Christlich Demokratische Union die meisten Sitze im Bundestag erhalten hat.  So hat es der Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) vielleicht schon ganz richtig erkannt, als er auf sueddeutsche.de am 28.Juni zitiert wurde: “Vielleicht sollten gerade wir in Deutschland uns da ein bisschen mit Kritik zurücknehmen – immerhin handelt es sich bei CDU und CSU ja auch um christliche Parteien”.

Weiter ging es in dem Artikel: “Sein Ministerium versuche, den Demokratisierungsprozess in den Laendern des Arabischen Fruehlings zu unterstuetzen, “auch wenn uns klar ist, dass dieser Prozess nicht unbedingt nach westlichem Muster verlaufen wird”. Der Umwaelzungsprozess in den betroffenen Staaten sei jedenfalls noch lange nicht zu Ende. “Und ja: Er koennte unseren Vorstellungen zufolge auch ein schlechtes Ende nehmen, muss er aber nicht”, sagte Niebel.

Was waere denn ein schlechtes Ende ?

Kurz nachdem die Ausschreitungen von den aegyptischen Sicherheitskraeften  auf dem Tahrir-Platz und der amerikanischen Botschaft am Samstag morgen beendet wurden, sagte mir ein junger Mann von der Muslimbruderschaft: “ Die Ausschreitungen sind richtig schlimm geworden. Und es hat doch gar nichts mehr mit dem schlechten Film zu tun. Die Leute wollen einfach nur mit der Polizei kaempfen.”

Traurig und enttaeuscht sprach er weiter: “Es ist doch nur eine Falle fuer die Muslime, um sie nervoes zu machen. Es gibt so viele Leute, die Muslime einfach grundlos hassen.”

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