Martin Eiermann: Islamophobie und Meinungsfreiheit

Posted on September 20, 2012 by



Was so alles gesagt werden darf

Ich habe es satt, dass meine Meinungsfreiheit als Deckmantel für euren Schwachsinn herhalten muss.

Jedes Mal, wenn sich die Diskussion um den angeblichen „Kulturkampf“ zwischen Muslimen und dem Rest der Welt zu beruhigen scheint, wenn also beispielsweise dezent darauf hingewiesen wird, dass Proteste von 0,002 Prozent aller Muslime kaum eine antiwestliche Massenbewegung konstituieren, zündelt schon wieder irgendwo irgendjemand: Das ehemalige Massenmagazin „Newsweek“ mit der Titelzeile „Muslim Rage“. Necla Kelek auf welt.de, dem 4chan der deutschen Nachrichtenseiten, unter dem Titel „Der Tugendterror der wütenden Salafisten“. Die Initiative „Pro Deutschland“, die öffentlichkeitswirksam fordert, das kontroverse Mohammed-Video in Deutschland vorzuführen. Quasi Public Viewing mit Fanatismus statt Fußball.

Kennt dieser Unsinn den gar kein Ende? Ich habe es satt, dass ihr Kulturkämpfer euch als Brandstifter verdingt, dass ihr den Konflikt so lange provoziert, bis eure Prophezeiungen Wirklichkeit werden. Und ich habe es satt, dass meine Meinungsfreiheit als Deckmantel für euren Schwachsinn herhalten muss.

“Politische Korrektheit” ist ein Unwort

Im „Freitag“ hat Matthias Dell im Sommer ein lesenswertes Essay zur „politischen Korrektheit“ veröffentlich, das zu zitieren sich an dieser Stelle lohnt. Politische Korrektheit, schreibt Dell, war nie etwas anderes als ein Schimpfwort, eine Strohpuppe, mit deren Hilfe sich vortrefflich und unter dem Banner der Meinungsfreiheit streiten ließ:

Am Anfang war die Erfindung „Politische Korrektheit“, das war vielleicht sogar gut gemeint, aber, Sie wissen schon, „gut gemeint“ ist das Gegenteil von „gut“, und selbst wenn, das haben sich doch diese verrückten Amerikaner ausgedacht; wozu brauche ich „Tugendwächter“, die mir vorschreiben, was ich sagen soll? Also musste die „Politische Inkorrektheit“ konstruiert werden als notwendige Antwort, um sich derart legitimiert wehren zu können gegen die Zumutungen der „politisch Korrekten“, um zu sagen, was Sache ist, ohne gleich Rassist oder Frauenfeind genannt zu werden. Beziehungsweise um die erwartbare Bezeichnung schon im Vorfeld zu entwerten. Wer „politisch inkorrekt“ ist, kann kein Rassist sein; er kämpft doch nur für die Meinungsfreiheit.

Hier weiterlesen: http://theeuropean.de/martin-eiermann/12307-islamophobie-und-meinungsfreiheit

Advertisements
Tagged: